Geschichte des Tambourcorps "Frisch-voran" Wevelinghoven 1927 e.V.
80 Jahre - eine relativ kurze Zeit in der Geschichte unserer Heimatstadt, aber eine stolze Zeit im Leben eines Menschen und erst recht im Bestehen einer freien Gemeinschaft. Dazu ist es angebracht sich zu erinnern. Es sind Erlebnisse und Geschichten die einen Verein prägen und die müssen "raus". Aufgabe ist es diese Erlebnisse und Geschichten zu erzählen.
Der Chronist will im folgenden versichern, einen kurzen, lebendigen Überblick der Geschichte unseres Tambourcorps "Frisch-voran" zu geben. Möge dieser Überblick den älteren Spielkameraden ihre Erinnerungen auffrischen, unseren jüngeren Spielkameraden einen Einblick in die Vergangenheit unseres Corps.
Möge es weiter wachsen, blühen und gedeihen für noch viele Jahre.
Vor 80 Jahren war in unserer Heimat noch Besatzungszeit und die französische Kommandatur hatte 1922 den Auftrag, einen Bürger-Schützen-Verein zu gründen, glatt abgelehnt. Die Gründung von Vereinen, die auch nur halbwegs militärischen Charakter haben konnten, war streng verboten. Mit viel List gelang es dann doch, die Marianische Schützenbruderschaft wieder aufleben zu lassen und zur Keimzelle des Kirmeskomitees zu machen. Viele Vereine schlossen sich an. Im Jahre 1924 wird auch ein spielender Marinezug des Katholischen Gesellenverein erwähnt. In diesem Zug liegt der Ursprung unseres Corps.
An Christi Himmelfahrt des Jahres 1927 begründeten wir uns als selbständiges Tambourcorps "Frisch-voran". Es waren musikbegeisterte Jungen, nur der erste Vorsitzende Johann Stübben war volljährig. In den Vorstand wurden als Tambourmajor Karl Wingerath und als Kassierer Johann Cremer gewählt. Die weiteren Gründer waren die Hornisten: Heinrich Felder, Bernhard Buchkremer, Jakob Schiffer, Lambert Dahmen, Franz Conrads. Als Trommler waren dies: Heinrich Heiden, Johann Handen, Johann Krall und Leonhard Schiffer.
Die Zeiten waren nicht leicht, auch wenn man heute von der "guten alten Zeit" spricht. Besatzung, Inflation und politische Wirren erschwerten das Leben.
Mit viel Mühe beschafften die Eltern Instrumente. In Wevelinghoven gab es zu der Zeit bereits drei Corps: 1.Feuerwehrkorps unter Leitung von Theo Heufler, 2.Erftstolz unter der Leitung von Heinrich Klerx, 3.Blüh Auf unter der Leitung von Ludwig Voigt. Nur wenige gaben unserer Neubegründung, neben den bewährten Spielleuten der anderen Corps, eine Überlebenschance. Um unsere Ausbildung kümmerten sich zwei verständnisvolle Spielleute vom Feuerwehrkorps: Hornist Matthias Heufler und Trommler Matthias Daniels. So konnten wir schon im Gründungsjahr 1927 in geliehenen blauen Marineuniformen beim Schützenfest aufspielen. Auch unser erstes auswärtiges Auftren in Hemmerden fällt schon in unser Gründungsjahr. Neben dem Spiel bei den Schützenfesten spielten wir in den folgenden Jahren bei Sankt Martinszügen, bei Veranstaltungen der Nachbarvereine und Stiftungsfesten anderer Corps.
Unser geselliges Vereinsleben verzeichnete fröhliche Tanzabende und sogar Theateraufführungen auf Familienfesten. Auch der Wettstreit im Einzelspiel wurde gepflegt. Als Solisten waren einige Hornisten und Tamboure auch auswärts erfolgreich gewesen.
Wegen der vier Tambourcorps unserer Heimatstadt mußte vor jedem Schützenfest ausgelost werden, welche Korps an erster, zweiter, dritter und vierter Stelle im Zug marschierte. Durch verwandschaftliche Verbundenheit mit dem Jägerkorps entschlossen wir uns 1932 grüne Uniformen anzuschaffen und bei allen Zügen an 2.Stelle vor dem Jägerkorps zu ziehen. Stolz trugen wir unsere erste eigene Uniform.
Bald darauf machte sich die politische Führung des III. Reiches daran, das freie Vereinsleben zu zerstören oder gleichzuschalten. Auch wir mußten uns, um einer Auflösung zu entgehen, einer "vaterländischen Vereinigung" anschließen. Wohl oder Übel schlossen wir uns pro forma bis zu seiner Auflösung dem "Stahlhelm" an. Dann spielten wir "Frisch-voran" weiter. Viele Spielkamraden fehlten uns immer wieder wegen des Wehrdienstes. Als unser Corps im Herbst 1939 zum letzten Schützenfest vor der Unterbrechung durch den II.Weltkrieg aufspielte, hatte das große Sterben schon begonnen, wenn auch nur die wenigsten damals schon das grauenhafte Ende voraussahen.
Der Krieg entzog auch unserem Corps immer mehr die Basis. Es ging das Gerücht, daß die eingezogenen Kameraden mit klingendem Spiel zum Bahnhof gebracht wurden und der letzte allein, aber spielend zum Bahnhof zog. Der Chronist hält das aber eher für eine Anekdote, die vielleicht etwas über den Abschiedsschmerz hinweggeholfen haben mag.
An dieser Stelle wollen wir an unsere Kameraden erinnern, die nicht in die Heimat zurückgekehrt sind. Unser Mitgründer Leonhard Schiffer fiel in Rußland, unser Kamerad Heinrich Felder wird in Rumänien vermißt und Tambour Jakob Pickels liegt in russischer Erde.
Mögen sie in Gottes Frieden ruhen.
Die trostlose, fast verzweifelte Situation des deutschen Volkes nach Kriegsende braucht an dieser Stelle nicht ausführlich geschildert zu werden. Besonders hart war materielle Not und die Enttäuschung über den mißbrauchten Idealismus der Jugend.
Aber harte Zeiten schließen Freunde auch fester zusammen.
Auf Betreiben des Vorsitzenden des Bürgerschützenvereins Dr. Pütz wurden schon 1946 Kontakte zum Neuaufbau aufgenommen. Zunächst begann ein kleiner Kreis von Spielleuten wieder zu üben. Paraden und öffentliches Spielen überhaupt waren noch von der Britischen Besatzungsmacht verboten. Trotzdem zogen schon Spielleute aus dem Tambourcorps mit dem Vorstand des BSV zur Gefallenenehrung mit klingendem Spiel zum Ehrenmal. Unser erstes öffentliches Auftreten war das feierliche Abholen der vier Glocken von St.Martinus vom Bahnhof Kapellen. Diese Glocken waren noch kurz vor Kriegsende abgeholt worden, um in Kanonen umgeschmolzen zu werden. Aber die Kapitulation rettete sie und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung holten wir sie mit Trommel -und Flötenspiel zurück.
FORTSETZUNG FOLGT!!